Nochmal „social media“

Nach dem ich gestern noch aufgewühlt von diesem Seminar einen schnellen, vielleicht kopflosen, post hinterlassen habe, stelle ich heute fest, dass mir die Sache immer noch auf der Seele liegt. Da erklärt dieser Referent in völliger Unkenntnis unserer hiesigen Bibliothekssituation, dass all das, was wir Bibliothekswesen mal gelernt haben und seit Jahren (Jahrzehnten!) so tun, in der sich dank des Web 2.0 alles verändernden Welt nicht mehr lange brauchen werden.

Versteht mich nicht falsch, ich glaube NICHT, dass Bibliotheken aussterben oder überflüssig werden. Aber die Entwicklungen, die mir da gestern aufgezeigt wurden, zeigen mir, dass in meiner Bibliothek in die falsche Richtung gedacht wird. Ein Beispiel:

Wir stellen gerade auf RFID-Selbstverbuchung um. Unsere Zweigstellen haben den Schritt schon fast vollständig vollzogen, die Zentralbibliothek ist schon konvertiert, die Technik wird im Laufe der nächsten Wochen aufgebaut. Es wird einen Rückgabeautomaten mit Sortiermaschine geben, einige Ausleihterminals und ein Kassenautomat aufgestellt. Die Ausleih-, Rückgabe-, Verlängerungs- und Bezahltätigkeit soll zu 95% auf den Kunden bzw. die Automaten überlagert werden. Die bisher damit betrauten FaMIs werden nicht entlassen, sondern im „verstärkten Kundenservice“ eingesetzt. Nach Monaten der Unklarheit, was sich hinter dieser Worthülse verbirgt, wurden die Direktion und die Abteilungsleitung klarer: FaMIs sollen eine Telefonzentrale betreuen (die noch eingerichtet wird), sie sollen vermehrt Führungen machen und Informationsplätze besetzen. Soviel zu unseren Zukunftsplänen.

Nun erzählt Edlef Stabenau, dass er wissenschaftliche Bibliotheken kennt, die keinen Mitarbeiter mehr am Informationsschreibtisch sitzen haben, weil kaum noch einer was fragt. Stattdessen steht dort ein Touchscreen, der es Kunden ermöglicht, per Skype einen Bibliothekar im Büro zu kontaktieren, falls wirklich mal „professionelle“ Hilfe benötigt wird. Außerdem berichtet Herr Stabenau davon, dass seine (wissenschaftliche) Bibliothek keine oder kaum noch Erstsemester-Einführungen durchführt, weil die Nachfrage gegen Null tendiert. Und dass Telefonkontakte in Zeiten von Twitter, Chat und Blog zukünftig zunehmen werden, ist unwahrscheinlich, finde ich.

Wie werden wir also unseren Kunden zukünftig mehr Service bieten? So wohl kaum, da wir am Bedarf vorbei planen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: