Wilde Tiere…

Charlies Tante lebt mit einem Mann zusammen, der vor zwei, drei Jahren noch beim Entdecken einer Spinne in unserer Stadtwohnung einen mittleren Herzinfarkt bekommen hat, dann den Staubsauger geholt und das Saugrohr auf maximale Länge geschoben hat, um das Untier aus der größtmöglichen Entfernung einzusaugen. Am liebsten hätte er – natürlich nach langer „Trocken“-Saugphase – das Monster durfte ja auf keinen Fall aus dem Sauger krabbeln – den Beutel mit einem Knüppel traktiert. Das habe ich ihm aber verboten.

Nun leben wir seit anderthalb Jahren in einem alten Haus auf dem Land, in dem Spinnen, besonders in unserem geliebten Schuppen, zur Tagesordnung gehören. Diese Konfrontationstherapie hat volle Wirkung gezeigt. Spinnen und ihre Weben sind kein Thema mehr. Auch die Arbeit im Garten hat Charlies Onkel, der auf Insektenstiche stark allergisch reagiert, zum Freund von neben ihm summenden Bienen und Hummeln gemacht. Früheres hektisch Umsichschlagen gehört der Vergangenheit an.

Gestern nun überraschte mich mein mir Angetrauter mit einer Geschichte, die eine ganz neue Qualität in Bezug auf wilde Tiere hat. Er kam von der Arbeit nach Hause und hörte schon vor dem Haus seltsame Geräusche im Garten. Ein Blick aus dem Küchenfenster in den Garten verriet nicht die Quelle. Erst beim Gang in den Garten entdeckte er ein schwarzes Etwas, der das wild schreiend hektisch durchs Gemüsebeet sprang. Erst beim mutigen näheren Hinsehen, entpuppte sich das Ding als ein schwarzes Huhn! Der Nachbar zur Linken hält seit einiger Zeit italienische Hühner. Von denen schien eines ausgebüxt zu sein. Also: Jagd auf das Federvieh! Leider weilte ich derzeit noch auf der Arbeit, so dass ich Schauspiel, dass sich dann ereignete, verpasst habe! Ein circa EinMeterNeunzig-Mann läuft in grossen Sprüngen hinter einem wild flatternden Hühnchen her, das aber immer flinker als sein Verfolger im Garten Haken schlägt. Der Nachbar zur Rechten bietet einen Teichkescher als Waffe an. Erfolglos. Das Huhn ist zu groß für den Kescher. Im Schuppen haben wir noch ein Netz zum Schutz von Blaubeeren vor Vogelfraß. damit geht es vielleicht! Der mittlerweile herbei gerufene Hühnerbesitzer – an die siebzig Jahre alt – beteiligt sich an der wilden Hetzjagd. Aber auch er bleibt ohne großes Glück. Ich stelle mir jetzt noch bildlich vor, wie ein kleiner alter Mann und ein großer Mann mit weit ausgebreitetem Netz in den Händen kreuz und quer durch den Garten hetzen, um ein völlig verängstigtes Hühnchen zu fangen. Irgendwann haben sie es in die hinterste Ecke gejagt; es versucht noch, durchs Gartentor auf den dahinterliegenden Weg zu entkommen. Aber es bleibt im Tor stecken! Nun greift der Hühnervater beherzt zu und der Spuk ist vorbei.

Als mein Großwildjäger mir die Geschichte dann abends erzählt, bin ich schon stolz auf ihn. Dieser so handfeste, handwerklich begabte und auch sonst nicht zimperliche Kerl wird noch ein Waldläufer, der mit der Natur nicht mehr auf Kriegsfuß steht. Ich liebe ihn dafür noch mehr. 

Aber ich hätte es so gerne miterlebt! UND: Ich hatte noch gehofft, dass solche Hühner im Angstzustand vielleicht Eier legen. Aber nix!

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2 Antworten to “Wilde Tiere…”

  1. Menno: Ich bekomme die Bilder nicht mehr aus dem Kopf… *rofl

  2. Angetrauter Says:

    … fragt sich, welcher seiner Nachbarn ihn heimlich mit der Kamera aufgenommen hat…..;-) , wahrscheinlich war es der mit dem „Goldfisch-Kescher“!!

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