Emil

Ein ganz normaler Tag in einer Bibliothek ist halt nicht normal. Man trifft immer wieder auf Menschen, die einen überraschen! Aber macht das nicht auch den Reiz dieses Jobs aus?

Ich bin auf dem Weg von der Ausleihtheke durch den ersten Stock der Bibliothek zu meiner wohlverdienten Mittagspause. Eine junge Frau spricht mich an, ob ich ihr Geld für den Kopierer wechseln kann und wedelt mit einem 20-Euro-Schein. „Oh, verzeihen Sie, ich habe  das Wechselgeld gerade nicht bei mir, bei der Kollegin dort an der Information gibt es eine Wechselkasse!“ entgegne ich ihr. Ich mache mir gedanklich eine Notiz, dass dringend der Bauchladen angeschafft werden muss, der mit Wechselgeld, Briefumschlägen, Lochern, Tackern, verbotenen Erfrischungsgetränken und allem, was Kunden in einer Bibliothek fortwährend benötigen, ausgestattet ist. Ich muss dann nur noch einen Mitarbeiter finden, der damit durch die Regale läuft und die Kunden damit beglückt ;-))

Ich habe fast die rettende Tür erreicht, da spricht mich ein Herr fortgeschrittenen Alters an: „Haben Sie Emil?“ „Äh, wie bitte?“ „Emil?“ Er lächelt mich an. “ Ichweiß nicht genau, was Sie suchen, welchen Emil?“ In so einem Moment gehen einem tausend Dinge durch den Kopf: Emil Nolde, der Künstler?, Emil Steinberger, der Kaberettist?, Emil und die Detektive? „Haben Sie Emil?“ Er wiederholt den Namen Emil mehrfach, was nicht zur Klärung des Problems beiträgt. Seine Stimme wird verzweifelter. Hat er seinen Sohn Emil in der Bibliothek verloren? „Emil, Emil?!“ „Ich verstehe leider nicht!“ Sage dann aber, um seiner Verzweiflung entgegen zu wirken: „Wir haben bestimmt, was Sie suchen! Um welches grobe Thema geht es?“ Er schreit fast: “ Na, Computer!“ Computer?!? Ein Programm namens Emil???? Kenn ich nicht… Dann schwant mir etwas: „Sie möchten unsere E-MAIL-Adresse?“ “ Ja, Emil von Bibliothek“  Alles klar, nichts leichter als das. Mit einer Visitenkarte der Bibliothek ausgestattet trottet er zufrieden davon. Mir ist heiß… und meine Pause habe ich mir jetzt richtig verdient.

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Eine Antwort to “Emil”

  1. Angetrauter Says:

    Naja, zur Not gibt es ja noch TEFLON. 😉

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