Eine Woche voller Mißverständnisse! Die letzten fünf Tage habe ich in der Bibliothek mit dem Versuch verbracht, geeignete Kandidaten für die Besetzung unserer vier Ausbildungsstellen im Sommer zu finden. Junge Menschen, die auf jeden Fall in den öffentlichen Dienst wollen und sich deshalb auf alle angebotenen Berufszweige der Stadtverwaltung – also Verwaltungsfachangestellte, Sportkaufmänner, Bürokaufmänner, Tierpfleger etc etc – bewerben, sind mir leider schon von den Gesprächen der Vorjahre bekannt. Aber das ist nicht die einzige Unverständlichkeit, die Bewerber einem in diesen Gesprächen nicht erklären können.
Wir – das sind zwei Bibliotheksmitarbeiterinnen und eine Kollegin vom Personalamt – bemühen uns immer um eine entspannte Gesprächsatmosphäre und stellen keine “Fangfragen” oder irgendwelche tückischen Aufgaben. Wir sind freundlich und lieb und nett. Aber es ist wirklich UNGLAUBLICH mit welchen (oder manchmal auch GAR KEINEN) Vorstellungen die jungen Leute zum Bewerbungsgespräch kommen. Es geht damit los, dass ungefähr ein Drittel der Kandidaten mit dem Ausbildungsberuf “Fachangestellte für Medien und Informationsdienste – Fachrichtung Bibliothek” einen Job in den Medien verbinden oder davon reden, dann den ganzen Tag lesen zu können. Überhaupt, Bewerber, die einen ruhigen Job suchen: Originalaussage einer jungen Frau: “Ich habe ein Praktikum im Krankenhaus gemacht. Die Arbeitszeiten sind unsozial, der Streß hoch und verdienen tut man auch nichts.Da wäre es hier schon besser.” Ich konnte mir folgende Aussage daraufhin nicht verkneifen: “Die Bibliothek hat in der Woche bis 20.00 Uhr geöffnet, samstags arbeiten wir auch, manchmal sonntags bei Veranstaltungen. Es gibt Tage, da schieben wir 20.000 Medien über den Tisch zum oder vom Kunden und das alles bei Entgeltgruppe 5 – wenn man erstmal ausgelernt hat!” Menschen, die noch nie eine Bibliothek von innen gesehen haben, es auch nicht geschafft haben, unsere Homepage im Internet zu finden, die aber Bücher und den Umgang mit neuen Medien ihren Lebensmittelpunkt nennen, bleiben mir als Bewerber ein Rätsel.
Daneben finden sich aber auch zum Glück einige sehr authentische Menschen, die ein normales Auftreten haben, ihre Freude am Umgang mit Kunden, Büchern und anderen Medien glaubhaft vermitteln können und zu wissen scheinen, auf was sie sich bei dem Beruf einlassen. Von weit über 100 Bewerbungen sind ca. 80 zum schriftllichen Vortest geladen worden. Die 27 Testbesten haben in den vergangenen Tagen einen Gesprächstermin mit uns gehabt und davon haben wir jetzt sieben zum dreitägigen Infopraktikum (drei Tage einstellen, Ausleihe, Anmeldung, Medienkontrolle etc) eingeladen. Ich hoffe, dass mindestens vier davon die Tage durchstehen und vom FaMI-Team der Zentralbibliothek als mögliche neue Kollegen benannt werden. Ich werde auf jeden Fall hier weiter berichten….
Vorstellungsgespräche sind für Bewerber – verständlicherweise - immer eine aufregende Angstsituation. Aber für die Gesprächspartner ist es auch nicht ganz leicht: Einsilbigen Antwortern ganze Sätze aus der Nase zu ziehen, ohne Punkt und Komma Schwätzende im Zeitrahmen zu halten, ausstudierten Germanisten den Ausbildungswunsch auszureden und last but not least 27mal die gleichen Fragen zustellen und die doch überraschend unterschiedlichen Antworten zu notieren. Konzentration halten über Stunden und Tage und nach den fünf Tagen allen Namen noch ein Gesicht und einen Eindruck zuordnen zu können, hat mich echt fertig gemacht. Ich hoffe, dass das gut für meine Bibliothek ausgeht und wir am 01.08.10 vier neue Azubis im Betrieb begrüßen können. Klare Vorgabe der Direktion ist es, nur die vier unseres Erachtens besten Bewerber zu nehmen. Wir werden also keine Kompromisse eingehen, nur um alle vier Stellen zu besetzen.